Tigermücke in Deutschland – eine Gefahr?

Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus, lateinisch für „gefleckte Stechmücke“) ist in Deutschland angekommen und breitet sich weiter aus. Doch wie gefährlich ist sie wirklich? Was Sie über Verbreitung, Krankheitsrisiken und wirksamen Schutz wissen sollten.

Asiatische Tigermücke: Herkunft und Erkennungsmerkmale

Die Asiatische Tigermücke ist an ihrer tiefschwarzen Färbung mit silberweißen Streifen leicht zu erkennen. Eine markante weiße Linie verläuft mittig von den Augen über den Rücken, die Hinterbeine zeigen weiße Ringe. Mit 3,5 bis 8 mm Körperlänge ist sie eher klein. Anders als heimische Mückenarten sticht sie bevorzugt tagsüber und gilt als besonders hartnäckig.

Ursprünglich stammt die Tigermücke aus den tropischen Regenwäldern Südostasiens, wo sie zu den häufigsten Stechmückenarten zählt. Durch die Zerstörung ihres natürlichen Lebensraums hat sie gelernt, in der Nähe des Menschen zu leben. Heute nutzt sie nahezu jede Form stehenden Wassers als Brutstätte: Regentonnen, Blumentopfuntersetzer, Gießkannen oder auch weggeworfene Becher reichen ihr vollständig aus.

Die Ausbreitung in Europa: Klimawandel und globaler Handel

Verbreitung der Tigermücke in Europa, laut ECDC/EFSA. Stand: Juni 2025.

Die Tigermücke gelangte vor allem durch den internationalen Handel nach Europa. Gebrauchtreifen und Zierpflanzen gelten als entscheidende Einschleppungswege, da sich in stehendem Wasser in Altreifen Eier befinden können. Die Eier der Tigermücke sind besonders widerstandsfähig: Sie überstehen Trockenheit und sogar Frost und können so weite Transportwege überleben. Der Klimawandel verstärkt das, denn wärmere Sommer und mildere Winter schaffen in immer mehr Regionen Europas geeignete Bedingungen für die Art.

Erstmals tauchte sie hier 1979 in Albanien auf, im Jahr 1990 folgte eine bedeutendere Einschleppung nach Norditalien. Heute ist sie in mindestens 27 europäischen Ländern verbreitet, besonders stark etabliert in Südeuropa. In Deutschland wurde die Tigermücke erstmals 2007 an einem Rastplatz der A5 in Baden-Württemberg nachgewiesen. Seitdem haben sich die Funde gehäuft. Der Ausbreitungsschwerpunkt liegt in der Oberrheinischen Tiefebene in Südwestdeutschland, wo mittlerweile über 150 lokale Einzelpopulationen bekannt sind. Die Mücke breitet sich dabei nicht nur in ländlichen Regionen aus: Sie hat sich gut an städtische Gebiete angepasst und kommt dort teilweise häufiger vor als auf dem Land.

Der richtige Tigermückenschutz für Sie und Ihre Familie

Da die Asiatische Tigermücke tagaktiv ist, reichen übliche Abendschutzmaßnahmen allein nicht aus. Besonders ausgeprägt ist ihre Stechaktivität morgens kurz nach Sonnenaufgang und nachmittags kurz vor Sonnenuntergang. Dunkle Kleidung zieht die Tigermücke an. Deshalb bietet helle, langärmelige Kleidung gleich doppelten Schutz: Sie erschwert den Zugang zur Haut und reduziert die Attraktivität für die Mücke. Socken, die über den Knöchel reichen, helfen ebenfalls. Für unbedeckte Körperstellen sind Repellents (Insektenabwehrmittel) empfehlenswert.

Welche Wirkstoffe schützen zuverlässig?

Das Auswärtige Amt empfiehlt DEET (Diethyltoluamid) und Icaridin als wissenschaftlich gut getestete Wirkstoffe mit nachgewiesener Wirksamkeit gegen Tigermücken und andere Stechmücken. Beide Wirkstoffe funktionieren ähnlich: Sie bilden einen schützenden Duftmantel auf der Haut, dessen Geruch die lästigen Blutsauger abstößt.

DEET bietet je nach Konzentration unterschiedlich lange Schutzwirkung. Bei 30 % schützt es gegen Mücken bis zu 6 Stunden, zum Beispiel in Anti Brumm® Forte. Anti Brumm® Ultra Tropical schützt mit 50 % DEET in Gebieten mit besonders hohem Mückenaufkommen bis zu 10 Stunden lang vor heimischen und tropischen Arten. Konzentrationen unter 20 % werden nicht empfohlen.

Icaridin hat eine vergleichbare Wirksamkeit, ist dabei kunststoffverträglich und schützt bis zu 4 Stunden. Es eignet sich besonders für Kinder, wie das Beispiel Anti Brumm® Kids Sensitive zeigt.

Wie wende ich Repellents richtig an?

Repellents auf trockene Haut auftragen und dünn auf alle freien Körperstellen verteilen, besonders auf Knöchel und Nacken. Bei gleichzeitiger Verwendung von Sonnenschutzmittel erst das Sonnenschutzmittel einziehen lassen, dann das Repellent auftragen. Da die Tigermücke tagaktiv ist, sollte das Mittel auch tagsüber regelmäßig erneuert werden – spätestens alle vier Stunden, bei starkem Schwitzen sogar häufiger. Zusätzlich kann Kleidung aus Baumwolle oder Wolle direkt eingesprüht werden.

Gut zu wissen: Der Wirkstoff DEET greift Kunststoffe an. Daher sollten Mittel mit dem Wirkstoff nicht mit Gegenständen wie Uhren oder Sonnenbrillen in Kontakt kommen.

Reiserückkehrer aus Risikogebieten sollten noch etwa zwei Wochen nach ihrer Rückkehr auf Mückenschutz achten. Das verhindert, dass lokale Tigermücken einen mitgebrachten Erreger aufnehmen. Sticht eine hiesige Tigermücke eine infizierte Person, könnte sie das Virus aufnehmen und anschließend weitergeben. Das kann möglicherweise zu einer sogenannten autochthonen Übertragung führen. Das heißt: Die Infektion findet nicht im Ausland, sondern direkt in Deutschland statt.

Welche Krankheiten kann die Tigermücke übertragen?

Die Asiatische Tigermücke kann grundsätzlich Dengue-, Chikungunya- und Zika-Viren übertragen. In Südostasien gilt sie als einer der häufigsten Überträger von Viruserkrankungen. In Deutschland hat jedoch bislang keine lokale Tigermücke einen Erreger auf einen Menschen übertragen. Alle gemeldeten Dengue- und Chikungunya-Fälle in Deutschland waren bisher reiseassoziiert. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL Bayern) stuft das Risiko einer autochthonen Übertragung, also einer Ansteckung hierzulande, derzeit als gering ein.

Das Robert Koch-Institut (RKI) hält lokale Übertragungen langfristig für möglich. Der Klimawandel und wachsende Tigermücken-Populationen könnten die Bedingungen dafür schrittweise verändern. Damit eine lokale Tigermücke einen Erreger weitergeben kann, muss sie diesen zuvor bei einer infizierten Person aufgenommen haben. Das unterstreicht, warum konsequenter Mückenschutz auch nach einer Reise noch für einige Zeit sinnvoll ist.

Tigermücke im Garten:
So verlangsamen Sie die Ausbreitung

Jede einzelne Person kann aktiv dazu beitragen, die Ausbreitung der Tigermücke zu verlangsamen. Da die Mücke zur Eiablage auf stehendes Wasser angewiesen ist, sind vor allem Gärten und Balkone relevante Orte. Potenzielle Brutstätten lassen sich dort entweder beseitigen oder durch regelmäßige Reinigung unbrauchbar machen.

Brutstätten vermeiden

Tigermückenweibchen legen ihre Eier in kleinste Wasseransammlungen ab. Selbst ein gefüllter Blumentopfuntersetzer reicht als Brutstätte aus. Mit diesen Maßnahmen lässt sich das verhindern:

  • Behälter leeren und umdrehen: Gießkannen, Eimer und Blumentopfuntersetzer nach dem Regen entleeren und umgekehrt aufbewahren oder überdacht lagern.
  • Regentonnen abdecken: Zisternen und Regentonnen mit einem engmaschigen Netz verschließen, damit Mücken nicht an die Wasseroberfläche gelangen.
  • Regenrinnen reinigen: Verstopfte Regenrinnen stauen Wasser und werden zur Brutstätte. Regelmäßiges Entfernen von Laub beugt dem vor.
  • Untersetzer anpassen: Blumentöpfe auf Blumentopffüße stellen oder Untersetzer mit Sand oder Kies befüllen.
  • Hohlräume verschließen: Sonnenschirmständer und ähnliche hohle Stangen nach der Reinigung mit Klebeband oder Schutzkappen abdichten.

Brutstätten reinigen

Tigermücken legen ihre Eier bevorzugt am inneren Rand von Brutstätten ab, oberhalb der Wasseroberfläche. Mit einem Schwamm oder einer Bürste und Seifenlauge lassen sich die Eier gezielt entfernen. Das Reinigungswasser sollte nicht in den Abfluss geschüttet werden, da sich die Eier dort weiterentwickeln können. Besser ist es, das Wasser auf einer Wiese oder in einem Beet zu entsorgen. Da die Eier frostbeständig sind und überwintern können, lohnt es sich, potenzielle Brutstätten sowohl im Herbst als auch im Frühjahr zu reinigen.

Tigermücke entdeckt?
So melden Sie Ihren Fund.

Bürgermeldungen sind für die wissenschaftliche Überwachung der Ausbreitung wertvoll. Eine Möglichkeit ist die Meldung bei der KABS (Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage e. V.) über das KABS-Bürgermeldeportal. Es gibt auch weitere Anlaufstellen, über die Funde gemeldet und bestimmt werden können. Beim Versand das Tier trocken und unbeschädigt, zum Beispiel in einer Streichholzschachtel, einsenden. Nicht in Flüssigkeit einlegen, da das die Bestimmung erschwert.

Die Tigermücke lässt sich an folgenden Merkmalen erkennen:

  • Schwarze Grundfärbung mit auffälligem schwarz-weiß-getigertem Muster
  • Weiße Mittellinie auf dem Rücken, von den Augen bis zum Hinterleib
  • Weiße Ringe an den Hinterbeinen
  • Kleine bis mittlere Größe: 3,5 bis 8 mm

Repellents vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.

* Gewährleistungsmarkentest BNITM 2025 (ausgenommen Anti Brumm Zecken Stopp und Anti Brumm Lotion); www.antibrumm.de

Quellen